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Bitcoin. Währung der Zukunft?

Bitcoin. Währung der Zukunft?

Bitcoin. Währung der Zukunft?

Bitcoin, eine Erfindung die seit mehreren Jahre im Internet bekannt ist, hat nun ihren Weg in den Mainstream gefunden. Dabei handelt es sich um eine sogenannteKryptowährung. Eine rein digitale Währung bei der kryptographische Technologien angewandt werden um eine dezentrale Struktur zu ermöglichen.

Der technische Hintergrund ist dabei ausgesprochen komplex und setzt für das Verständnis ein gehobenes Maß an IT Wissen voraus. Herzstück ist dabei die sogenannte Blockchain, gewissermaßen ein Journal aller Transaktionen. Die Bitcoin selbst können in einer „digitalen Brieftasche“ oder sogar auf einer externen Festplatte gespeichert werden.

Von seinen Anhängern wird diese Technologie als die Zukunft des Geldwesens gefeiert. Durch ihre von den Zentralbanken unabhängige Struktur bieten sie eine Alternative zum etablierten Finanzsystem und Versprechen absolute Anonymität bei ihren Transaktionen. Während der enorme Wertzuwachs in den letzten Jahren sie auch für Spekulanten interessant macht (von ca. 10$ pro Bitcoin Januar 2011 auf über 2000$ im Mai 2017).

 Bedauerlicherweise führte dies auch zu einer übermäßigen Selbstidentifizierung der Nutzer mit der Währung, welche sich in einer fast schon kultartigen Mentalität niederschlägt. Wer Zweifel äußert, oder die Währung sogar kritisiert, kann sich darauf einstellen das Opfer eines „Shitstorms“ zu werden. Sämtliche Einwände werden mit der Behauptung beiseite gewischt, man würde das Konzept nicht verstehen oder führen gleich zu Beleidigungen. Eine ergebnisoffene Diskussion ist daher natürlich nicht möglich. An dieser Stelle soll darum, auf einige Schwierigkeiten hingewiesen werden.

 

Verstärkte Abhängigkeit von IT Sicherheit

Wie bei alle anderen online basierten Technologien besteht auch für Bitcoin die Gefahr von irreversiblen Verlusten durch Malware, Datenverlust oder Einbrüchen bei Online-Börsen. Zwar ist durch die Eintragung in die Blockchain die Währung weitgehend fälschungssicher, dennoch besteht die Möglichkeit sie durch ein Hacken des Computers zu entwenden. Es stimmt zwar dass dieses Problem auch den Online-Verkehr mit normalem Geld betrifft, durch seine dezentrales Struktur wird aber bei einer dezentralen Kryptowährung die Zwischeninstanz Bank weggelassen. Das Opfer des Online-Diebstahls müsste daher selbstständig versuchen den Angreifer ausfindig zu machen. Eine Aufgabe welche die Fähigkeiten der meisten User bei weitem übersteigt.

 

Pseudoanonymität

Auf der anderen Seite ist der von Anhängern häufig vorgebrachte Vorteil der Anonymität ebenfalls zweifelhafter Natur. Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein pseudoanonymes System. Alle Bitcoin-Transkationen sind öffentlich und dauerhaft im Netzwerk gespeichert, was bedeutet, dass jeder den Kontostand und die Transaktionen jeder Bitcoin-Adresse einsehen kann. Es ist zwar nicht ersichtlich wer der Eigentümer der jeweils handelnden Konten ist, die Verbindungsdaten lassen sich allerdings sehr wohl zurückverfolgen.

 

Geringes Handelsvolumen

Ebenfalls kritisch ist dass, im Vergleich zu anderen Währungen, geringe Handelsvolumen. Es gibt pro Tag unter 400.000 Transaktionen. Bei einer geschätzten Zahl von 2.9 bis 5.8 Millionen Usern. Für den Außenstehenden mögen diese Zahlen als sehr groß erscheint, im internationalen Handel sind sie jedoch ausgesprochen gering.

Ergänzt wird das durch eine nur sehr geringe Akzeptanz im Handel. Auch wenn die Zahl der Geschäfte die bereit sind Bitcoin zu akzeptieren zugenommen hat, so ist sie doch nur eine kleine Minderheit. Die meisten Unternehmen meiden die Alternativwährung und bleiben lieber bei den gesetzlich vorgeschriebenen Zahlungsmitteln.

Diese Sachlage ist relevant weil sie die komplette Entwicklung beeinflusst. Ein vergleichsweise kleiner Markt kann leichter manipuliert werden als ein sehr großer. Das geringe Volumen erhöht somit die Volatilität in beide Richtungen.

 

Spekulationsblase

Eine gegenüber dem steigenden Kurs und den damit verbundenen hohen Erwartungen zu geringe kommerzielle Nutzung, wie man sich hier beobachten kann, ist auch ein mögliches Zeichen für eine Spekulationsblase. Tatsächlich ist die Rolle von Bitcoin als ein Medium für Transaktion im Lauf der letzten Monate immer weiter zurückgegangen, während die Rolle als Spekulationsobjekt sich immer mehr in den Vordergrund drängte. Viele Käufer gehen fest davon aus das sich die bestehende Wertentwicklung weiter fortsetzen wird. Eine Haltung die man auch aus der heißen Phase eines Wertpapierbooms kennt. Da davon ausgegangen wird das man für ein Bitcoin morgen mehr bekommen wird als heute sinkt die Bereitschaft sie zu verkaufen. Gleichzeitig wird die große Wertsteigerung als Argument verwendet um neue Käufer in den Markt zu holen.

Sollte, aus welchen Gründen auch immer, diese Hoffnung enttäuscht werden, besteht die Gefahr, dass sich eine Panik bildet die zu einem Platzen der Blase führen könnte.

 

Konkurrenz

Dabei ist überhaupt nicht sicher, dass gerade Bitcoin seine momentane Bedeutung weiter steigern kann. Es gibt auch andere Kryptowährungrn, die zu ihr in Konkurrenz treten; als Beispiele können hier etwa Litecoin oderEthereum dienen. Es handelt sich dabei um Alternativen die durchaus das Potenzial haben Bitcoin von seiner Führungsposition zu verdrängen.

Ergänzt wird dies von weiteren Währungen, die von Konzernen wie Amazon oder Facebook entwickelt werden. Diese verbinden die Vorteile einer Krippe Kryptowährung mit der finanziellen Vertrauenswürdigkeit eines Großkonzerns. Gleichzeitig reduziert ihre Existenz die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen sich für unabhängige Währungen öffnen.

 

Mit nichts Hinterlegt

Es darf auf keinen Fall vergessen werden das Bitcoin durch keine weiteren Werte gedeckt sind. Zwar wird von seinen Fürsprechern immer wieder darauf hingewiesen, dass das gleiche auch für sämtliche staatlichen Fiat-Währungen gelten würde, aber dies ist nicht ganz korrekt.

Offizielle Währungen, wie der US-Dollar oder der Euro, sind durch die Produktivität der zugrunde liegenden Wirtschaft gedeckt. Als gesetzliche Zahlungsmittel müssen sie akzeptiert werden, während Kryptowährungen lediglich akzeptiert werden können. Die Steuern sind ebenfalls in der gesetzlichen Währung zu bezahlen, womit es eine permanente Nachfrage nach diese gibt. Diese Vorteile hat Bitcoin nicht.

 

Staatliche Interventionen und der Kampf gegen das Bargeld

Die größte Gefahr geht jedoch von staatlichen Intervention aus. Seit der Finanzkrise haben staatliche Regulationen zugenommen. Insbesondere Maßnahmen gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Unter dem Vorwand der Verbrechensbekämpfung wird massiv versucht die Nachvollziehbarkeit und Kontrolle von Finanzaktion zu vergrößern und die Möglichkeiten für anonyme Überweisungen immer weiter einzuschränken.

Dieses Phänomen artete teilweise in einen regelrechten Kampf gegen das Bargeld aus. Im Euro-Raum wurden die 500 € Schein abgeschafft. Dänemark hat die Absicht erklärt ein bargeldloses Land zu werden, Schweden hat dies bereits weitgehend erreicht. Und selbst Indien, dessen Wirtschaft im extrem hohen Maße auf den Bargeldverkehr angewiesen ist, hat begonnen Scheine zu entwerten und alle Bürger zu Bankverbindung zu drängen. Wie wahrscheinlich ist es nun, dass diese Staaten, die nicht bereit sind ihr eigenes Bargeld weiter zu akzeptieren, dem Wachstum von Kryptowährung tatenlos zu sehen?

Der Grund für die bisherige Inaktivität war die gesamtwirtschaftlich geringe Bedeutung dieser neuen Erfindung. Sollte das Phänomen weiter anwachsen, und weiteres Wachstum wird für die erhoffte Wertsteigerung dringend benötigt, ist es unvermeidlich das es in direkten Konflikt mit den staatlichen Interessen gerät. Ein Verbot dieser Währungen wäre ohne weiteres möglich. Man könnte die gleichen Argumente verwenden, die auch schon bei der Beschränkung des Bargeldbesitzes zur Anwendung kamen; in erster Linie der Kampf gegen Geldwäsche und die organisierte Kriminalität, sowie das Vorgehen gegen Schwarzgeld und Steuerhinterziehung. Darüber hinaus könnte man sich auch noch auf Gründe des Verbraucherschutzes berufen.

Wirksame Methoden sich dagegen wehren zu können gibt es nicht. Zwar wäre es möglich seine bisherigen Bitcoin gespeichert zu lassen, aber der Handel würde zum Erliegen kommen. Extreme Wertverluste wären die zwangsläufige Folge.

 Diese Punkte sollen nicht den innovativen Charakter von Bitcoin oder auch anderen Kryptowährungen herabsetzen. Die zugrunde liegende Technologie könnte durchaus wegweisend für die zukünftige Entwicklung des Geldwesens sein. Das bedeutet aber nicht, dass sie ein sicheres Investment sind. Es ist wahr, viele Leute sind durch das Spekulieren mit Bitcoin reich geworden und es ist durchaus denkbar, dass ihr noch weitere damit folgen. Allerdings bleibt es eine Anlage mit sehr hohem Risiko.

 

Alexander Straube

 

 

Freies Institut für Politik und Strategie UG

Erlenstr. 13
82223 Eichenau


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