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Venezuela und der Fluch des テ僕s

Venezuela und der Fluch des テ僕s

Venezuela und der Fluch des Öls

die momentanen Unruhen in Venezuela werden in den meisten Fällen der Inkompetenz des regierenden bolivarischen, sprich sozialistischen, Präsidenten Maduro zugeschrieben. Während von der extrem Linken die Schuld bei den USA gesucht und lautstark verkündet wird.

Um den Ursprung dieser Probleme jedoch genauer erfassen zu können muss man in der Zeit zurückblicken. Man wird die Geschichte eines Landes sehen, das schon seit Jahrzehnten am Ressourcenfluch leidet.

Das Gebiet, das später als Venezuela bekannt werden sollte war lange Zeit eine der weniger entwickelten Gebiete des weiträumigen spanischen Kolonialbesitzes in Amerika. 1821 gelang es Simon Bolivar, der aus Caracas stammte und daher als venezolanischer Nationalheld gilt, die spanische Herrschaft zu beenden. Der von ihm gegründete Staat Großkolumbien zerfiel schon wenige Tage nach seinem Tod. Auf diese Weise wurde Venezuela 1830 ein unabhängiger Staat.

Die politische und vor allem wirtschaftliche Entwicklung im weiteren 19 Jahrhundert hielt sich in Grenzen. Wirklichen Schwung sollte sie erst erhalten, als während dem Ersten Weltkrieg enorme Erdölvorkommen entdeckt wurden. In den folgenden Jahrzehnten focuszierte sich die wirtschaftliche Entwicklung fast ausschließlich auf die Förderung und den Export dieser Ressourcen. Die positive Folge war ein massiver Anstieg des Wohlstandes der sich unter anderem dadurch ausdrückte das Venezuela 1935 das größte Bruttosozialprodukt Südamerikas hatte. Gleichzeitig führte es jedoch auch zu einer immer weiter anwachsenden Korruption und einer Zentralisierung der wirtschaftlichen Macht bei der Regierung. Von dieser wurde erwartet die hohen Einnahmen durch die Ölexport zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu verwenden. Es bildete sich somit eine Gesellschaft bei der sich die wirtschaftliche Erwartungshaltung immer stärker auf den Staat und immer weniger auf eigene Unternehmungen stützte.

Eine einheimische Produktion von Lebensmitteln war unnötig, alles was benötigt wurde konnte man sich durch die hohen Gewinne aus dem Ölhandel im Ausland kaufen und in das Land importieren. Ergänzt wurde dies durch eine weitverbreitete Geringschätzung der Landwirtschaft. Die Beschäftigung als Bauer oder Viehzüchter wurde als minderwertig betrachtet.

Diese Entwicklung verhinderte nicht nur das Entstehen einer zur Selbstversorgung ausreichenden Nahrungsmittelproduktion, sondern auch die Existenz von bedeutenden Industriezweigen neben der Erdölindustrie. Das Land, sein Haushalt und die Gesellschaft sind in einem extremen Maße von dieser einen Geldquelle abhängig.

 

Verschärftend kam noch das Verhalten im Zuge der Ölkrise von 1973 hinzu. Durch den plötzlichen Anstieg des Ölpreises und die Verstaatlichung der Ölindustrie im Jahre 1976, sah sich der Staat in der Lage groß angelegte Sozialprogramme zu starten. Allerdings überstiegen diese die Mehreinnahmen und führten zu einer rapide anwachsenden Staatsverschuldung. Nachdem in den achtziger Jahren der Erdölpreis zu sinken begann zeigten sich die Probleme des Verhaltens. Um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen entwertete die Regierung die Landeswährung, den Bolivar; was wiederum bewirkte, dass der bis dahin recht hohe Lebensstandard massiv einbrach. In Verbindung mit der fast schon institutionalisierten Korruption und der nun steigenden Armut und Kriminalität nahm die politische Stabilität massiv ab.

1989 führte dies zu den sogenannten „Caracazo Unruhen“, in deren Verlauf vermutlich über 3000 Menschen starben. Am 4. Februar 1992 folgte ein Putschversuch des späteren Präsidenten Hugo Chávez, der jedoch nach 12 Stunden zusammenbrach.

Chávez selbst verbrachte daraufhin einige Zeit im Gefängnis wurde aber bereits 1994 begnadigt, was diesem ermöglichte die Präsidentschaftswahlen 1998 zu gewinnen und sein Projekt einer „Bolivianischen Revolution“ in die Wege zu leiten.

Offiziell handelt es sich dabei um eine neuartige Bewegung deren Ziel es ist die Unabhängigkeit und Kooperation Südamerikas zu bewahren, den Bürgern ein Nationalgefühl zu vermitteln und die direkte Demokratie zu fördern.

Wie schon ihre Leitslogans („Mutterland, Sozialismus oder Tod“ und „Sozialistisches Mutterland und Sieg, wir werden  leben, und wir werden siegen.“) verraten handelt es sich um eine weitere Spielart des Sozialismus. Dementsprechend bestand Chávez politisches Programm vor allem aus zwei Komponenten: Erstens einer Wiederaufnahme und Erweiterung diverser Sozialprogramme, die vor allem der städtischen Unterschicht zugute kamen.  Und zweitens der Verstaatlichung möglichst vieler Betriebe.

Auf diese Weise vergrößerte sich die Abhängigkeit der Bevölkerung von der Regierung noch weiter. Die Regierung selbst wurde aber ebenfalls noch abhängiger von der Erdölindustrie und damit vom Ölpreis. Während der Regierungszeit von Hugo Chávez, er starb 2013, war dies noch kein Problem. Bei einem Preis für ein Barrel Rohöl von teilweise über 100 $ wurde genug Geld eingenommen um die Staatsausgaben bestreiten zu können. Kritisch wurde die Lage erst als der Ölpreis deutlich einbrach.

 

Hier soll nicht verschwiegen werden dass die weitverbreitete Korruption, die sozialistische Programmatik und die Inkompetenz von Präsident Nicolás Maduro zu einer Verschärfung der Krise führten. Allerdings wären die Versorgungsengpässe in einem weniger stark spezialisierten Staat, selbst in einem Sozialismus, weniger massiv.

Die momentane Regierung ist mit dem Endergebnis eine Entwicklung konfrontiert deren Ursprünge fast 100 Jahre zurückliegen. Aufgrund des Erdölreichtums wurde es unterlassen Anreize für die Erschaffung einer tragfähigen weiteren Industrie zu bieten. Teilweise wurde dies sogar aktiv verhindert. Stattdessen konzentrierte man sich über Jahrzehnte hinweg darauf sämtliche benötigten Güter aus dem Ausland zu importieren. Daher hat nun Venezuela keine Kapazitäten um die für den täglichen Bedarf notwendigen Produkte zu produzieren. Eine Situation die insbesondere bei der Versorgung mit Lebensmitteln extrem kritisch ist.

Da der einzige Ausweg aus dieser Lage der Staatsbankrott ist, scheint es sehr unwahrscheinlich dass die Krise bald überwunden werden kann.

Was den Vorwurf an die USA angeht sie würden das Land vorsätzlich destabilisieren wollen, so muss dieser energisch zurückgewiesen werden. Nicht nur sind die USA der Hauptabnehmer für venezolanisches Öl, amerikanische Banken sind auch die Hauptgeldgeber für Caracas. Und selbst Hugo Chávez hat zwei Sachen nie getan. Er hat nie die Öllieferungen in die USA gestoppt und er hat nie eine Rate bei der Schuldentilgung ausgelassen. Einen Kurs den auch Nicolás Maduro beibehalten hat.

 

Alexander Straube

 

 

Freies Institut für Politik und Strategie UG

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